Aargauer Strategiepaket Sprachen für die Volksschule: Förderung der deutschen Sprache als zentrale Grundlage für schulisches Lernen
Der Aargauer Regierungsrat hat das Departement Bildung, Kultur und Sport beauftragt, ein Strategiepaket zum Thema Sprachen an der Aargauer Volksschule zu erarbeiten. Damit reagiert er auf zahlreiche, zum Teil schon überwiesene und zum Teil noch zu beantwortende parlamentarische Vorstösse zur Sprachenthematik. Ziel dieser Strategien ist es, die sprachlichen Kompetenzen aller Schülerinnen und Schüler nachhaltig zu stärken, die Qualität und Wirksamkeit des Unterrichts weiterzuentwickeln und die Anschlussfähigkeit für weiterführende Bildungsangebote zu gewährleisten.
Verschiedene Vorstösse des Grossen Rats aus dem Jahr 2025 beschäftigen sich mit Fragen der Sprachförderung und der Fremdsprachenthematik an der Aargauer Volksschule (25.281, 25.278, 25.283, 25.304). Bereits in den Jahren 2023 und 2024 wurden ähnliche Vorstösse überwiesen (23.192, 24.213, 24.267). Dies ist Ausdruck davon, dass die Volksschulen im Kanton Aargau in den vergangenen Jahren zunehmend heterogener geworden sind. Der Anteil fremdsprachiger Schülerinnen und Schüler ist im Zeitraum von 2014 bis 2024 deutlich, von 31 auf 39 Prozent, angestiegen. In den Primarschulen lag der durchschnittliche Anteil im Jahr 2024 bei 40 Prozent, in der Realschule bei 56 Prozent und in der Bezirksschule bei 22 Prozent. Zwischen den Schulen zeigen sich deutliche Unterschiede: Der Anteil fremdsprachiger Schülerinnen und Schüler reicht von 0 Prozent bis nahezu 90 Prozent.
Die Zunahme – unter anderem der sprachlichen, sozialen und leistungsbezogenen – Heterogenität führt zu höheren Anforderungen an den Unterricht generell, an die besondere Förderung und an die Integrationsleistung der Volksschule. Der Regierungsrat teilt die Einschätzung des Grossen Rats, dass Schulen gezielt und wirksam in den Bereichen Sprache, Schulerfolg und soziale Integration unterstützt werden sollen. Für eine erfolgreiche schulische Laufbahn und eine darauffolgende Integration in den Arbeitsmarkt ist eine chancengerechte und qualitativ hochwertige Volksschule essenziell. Gut entwickelte Kompetenzen in Deutsch gelten nach heutigem Forschungsstand als unabdingbare Voraussetzung für den Schulerfolg. Insbesondere bei fremdsprachigen Schülerinnen und Schülern ist es von entscheidender Bedeutung, dass sie so früh wie möglich der deutschen Sprache mächtig werden, unabhängig vom Alter und vom Eintritt in die jeweilige Schulstufe.
Handlungsbedarf ist gegeben
Aktuelle Leistungstests belegen jedoch: Viele Schülerinnen und Schüler verfügen in Deutsch nicht über die angestrebten Grundkompetenzen. Dies hat sich unter anderem im Rahmen der nationalen Überprüfung des Erreichens der Grundkompetenzen (ÜGK 2023) gezeigt: 20 Prozent der Aargauer Jugendlichen haben am Ende der 9. Klasse die definierten Grundkompetenzen im Fach Deutsch nicht erreicht. Auch in Französisch erreichten viele Schülerinnen und Schüler die angestrebten Grundkompetenzen nicht. An der Realschule waren die Leistungen deutlich tiefer als in der Sekundar- und der Bezirksschule. Zudem zeigen weitere Auswertungen, dass die Leistungen in Klassen mit einem sehr hohen Anteil an fremdsprachigen Lernenden tendenziell niedriger sind. Dies betrifft wiederum die Realschule besonders stark: Im Jahr 2024 wiesen in der Realschule 60 Prozent der Klassen einen Fremdsprachigenanteil von 50 Prozent oder mehr auf. Aber auch Kinder deutscher Muttersprache zeigten teilweise deutliche Defizite bei ihren Sprachkompetenzen. Dies kann unter anderem auf mangelnde verbale Interaktion zwischen Kindern und Erwachsenen oder auch auf zu frühen oder exzessiven Medienkonsum zurückzuführen sein.
Strategiepaket Sprachen als Rahmen
Um diesen unbefriedigenden Ergebnissen entgegenzuwirken, beauftragt der Regierungsrat das Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS) mit der Erarbeitung eines Strategiepakets zum Thema Sprachen für die Aargauer Volksschule. Es schliesst auch den Bereich der Fremdsprachen ein. Das Strategiepaket umfasst folgende drei Strategien samt dazugehörigen kurz-, mittel- und langfristigen Massnahmen:
• Integrationsstrategie: Deutschförderung und schulische Integration fremdsprachiger Schülerinnen und Schüler
• Deutschkompetenzstrategie: Stärkung der Deutschkompetenzen aller Schülerinnen und Schüler
• Fremdsprachenstrategie: Fremdsprachen (Englisch, Französisch)
Förderung der Sprachkompetenzen aller Schülerinnen und Schüler
Ziel dieser Strategien ist es, die Kompetenzen aller Schülerinnen und Schüler in Deutsch und den Fremdsprachen nachhaltig zu stärken, die Qualität und Wirksamkeit des Unterrichts weiterzuentwickeln und die Anschlussfähigkeit für weiterführende Bildungsangebote zu gewährleisten. So soll sichergestellt werden, dass alle Lernenden die notwendigen sprachlichen Kompetenzen für eine erfolgreiche Bildungsbiografie erreichen. Im Fokus steht der Aufbau der Unterrichtssprache Deutsch als Grundlage für jedes weitere Lernen. Deutsch als Zweitsprache wird systematisch gefördert, damit fremdsprachige Schülerinnen und Schüler schnell integriert werden. Mit der Verankerung der frühen Sprachförderung vor dem Kindergarten im neuen Volksschulgesetz hat der Grosse Rat bereits einen wichtigen Grundstein für die Stärkung der Sprachkompetenzen gelegt. Der Fokus wird dabei auf der konsequenten Umsetzung in den Gemeinden liegen.
Quelle: Kanton Aargau
13.1.2026
Botschaft an den Grossen Rat: GR 25.389
Thema: Deutschförderung vor dem Kindergarten
Nationale Überprüfung des Erreichens der Grundkompetenzen (ÜGK) (Medienmitteilung vom 22.5.2025)